GAULT MILLAU WeinGuide Deutschland 2010Datum: 18. 11. 2009Gourmet Report Archiv
GAULT MILLAU WeinGuide Deutschland 2010
2008er Riesling brilliert vor allem mit trockenen Spitzen Spätburgunder aus 2007 werden Geschichte schreiben Der »Winzer des Jahres« kommt von der Nahe, der Aufsteiger aus Baden, die Entdeckung aus Rheinhessen und die »Kollektion des Jahres« aus der Pfalz Der Wein-Jahrgang 2008 ist erheblich besser ausgefallen, als es mancher Winzer zu Zeiten der Ernte im vergangenen Herbst erwartet hat. Dies ist das Fazit ausgedehnter Verkostungen für den neuen GAULT MILLAU WeinGuide 2010. Lediglich bei den Auslesen und edelsüßen Rieslingen muss man Abstriche machen, hier ist das hohe Niveau der Vorjahre nicht immer erreicht worden. Dafür wird der Weinfreund mit einem Füllhorn allerbester trockener Rieslinge entschädigt. »In dieser Kategorie ist uns die Auswahl der Besten am schwersten gefallen«, erinnert sich Chefredakteur Joel Payne beim Rückblick auf die Bundesfinalprobe. „Wir hatten selten eine solche Qualitätsdichte auf dem Tisch.“ Einer der größten Jahrgänge bislang prägte die Verkostungen der Spätburgunder. 2007 hat grandiose Rotweine hervorgebracht. „Dieser Jahrgang kann Geschichte schreiben“, ist sich Payne sicher. Man habe deshalb bei den Bewertungen ganz hohe Noten zücken müssen. Nie zuvor in der 17-jährigen Geschichte des WeinGuides erhielt ein Rotwein 97 Punkte, wie diesmal der Pinot Noir von Friedrich Becker aus der Pfalz. Neu ist eine eigene Kategorie für Riesling Kabinett, in der die Mosel mit acht von zehn Spitzenweinen das Sagen übernommen hat. »Leicht, belebend, erfrischend – und dennoch intensiv und anhaltend: Dies kann kein Wein sonst auf der Welt wie eben der Riesling Kabinett«, erläutert Joel Payne.
GAULT MILLAU WeinGuide so stark wie nie Die Talentdichte ist etwa in Baden oder Rheinhessen enorm hoch, hat die Redaktion des GAULT MILLAU festgestellt. Dem trägt der WeinGuide Rechnung, indem mehr Platz geschaffen wurde für diese Neulinge. Immerhin ist der neue Weinführer fast doppelt so dick wie die Ausgabe vor zehn Jahren. Damit der Weinfreund einfacher und schneller die besten und günstigsten Weine entdecken kann, helfen neue Übersichten im GAULT MILLAU WeinGuide Deutschland 2010. Zudem ist Deutschlands Weinführer Nummer eins jetzt durchgängig farbig gestaltet. Auf exakt 900 Seiten sind in der 17. Ausgabe des GAULT MILLAU WeinGuide nunmehr 638 Betriebe mit mindestens einer Traube verzeichnet, weitere 300 sind als empfehlenswert eingestuft. Und unter den mehr als 7.000 erwähnten Weinen ist manche Entdeckung zu machen. Die Redaktion hat zahlreiche Spitzenweine herausgefiltert, die für wenig Geld viel Trinkvergnügen bereiten.
Die ganze Vielfalt der deutschen Weine Ausgefallene Rotwein-Cuvées haben ebenso ihren Platz wie die Klassiker, deren Pflege sich die Redaktion besonders verbunden führt. Dabei stehen der Spätburgunder und der Riesling im Vordergrund. Der Riesling allein bietet eine ungeheure Vielfalt. Im GAULT MILLAU WeinGuide wird sein außerordentlich facettenreiches Spektrum aufgeblättert. Kein Wein von Bedeutung fehlt in diesem Buch. Und dies unterscheidet den GAULT MILLAU von allen anderen Publikationen und Wettbewerben. Dass die Bewertungen des GAULT MILLAU WeinGuide auch über längere Zeit Bestand haben, zeigt seit Jahren die Verkostung »Zehn Jahre danach«, in der vor einer Dekade getestete Weine nochmals auf den Prüfstand kommen. »Von den trockenen 1999er Rieslingen schnitt die Sonnenschein Spätlese »Großes Gewächs « am besten ab. Diesmal stellte Hansjörg Rebholz vom Weingut Ökonomierat Rebholz in Siebeldingen seine Ausnahmestellung unter Beweis«, berichtet Autor Joel Payne. Bemerkenswert ist, dass unter den besten zehn mit Andreas Laible und Schloss Neuweier auch zwei Weine aus Baden landeten, denen man ein solches Entwicklungspotenzial nicht unbedingt zugetraut hätte. Die restlichen Plätze teilen sich Weine aus der Pfalz, dem Rheingau und Rheinhessen.
Der Winzer des Jahres kommt von der Nahe Der »Aufsteiger des Jahres« kommt aus Baden. »Seit 1634 gehört das Weingut Gleichenstein zur Familie. Unter Führung des jungen Freiherren Johannes von Gleichenstein erfährt es gewaltigen Auftrieb. Zunehmend nutzt er das große Potenzial der Spitzenlagen in Oberrotweil für exzellente Burgunder«, erklärte Joel Payne während der Präsentation.
Die »Entdeckung des Jahres« hat die Redaktion in Rheinhessen gemacht. Der Ehrentitel »Kollektion des Jahres« geht diesmal in die Pfalz: an das Traditionsgut Bürklin-Wolf. »Seit Jahren arbeiten Bettina Bürklin-von Guradze und Fritz Knorr intensiv daran, die Eigenart der großartigen Riesling-Lagen in Deidesheim, Forst und Wachenheim herauszuarbeiten. So entstehen einmalige Weinpersönlichkeiten «, hebt die Redaktion hervor. Zur »Sommelière des Jahres« wurde Melanie Wagner vom Restaurant Schwarzer Adler in Oberbergen gekürt. Aus einem der fulminantesten deutschen Keller empfiehlt sie kenntnisreich und unaufdringlich gern deutschen Riesling und reifen Bordeaux, das hat die Chefredaktion beeindruckt. Der Titel »Weinkarte des Jahres« geht an das Restaurant Alte Post in Heppingen an der Ahr, wo Hans-Stefan Steinheuer und seine Frau Gabi einen enormen Fundus Spitzenweine für ambitionierte Genießer pflegen.
Schnäppchentipps für preisbewusste Weinfreunde Erstmals hat die Genießer-Vereinigung SlowFood Deutschland regionaltypische Weine ausgewählt, die besonders hervorgehoben werden.
Siegerweine aus der Pfalz, von Nahe, Mosel und Saar Der GAULT MILLAU WeinGuide steht in der kritischen Tradition des GAULT MILLAU Reiseführers Deutschland, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert die Köche das Fürchten lehrt und den Gourmets eine Fülle von neuen Entdeckungen beschert hat. Bei der Bewertung der Weingüter steht die Weinqualität an erster Stelle. Der WeinGuide dient außerdem als touristisches Nachschlagewerk. Er zeigt dem Reisenden die Routen zu den Gütern, indem er die Anfahrtswege beschreibt, Anschriften und Öffnungszeiten vermerkt, Hinweise auf Verkostungsmöglichkeiten, Vinotheken, Gutsausschank und Verkauf enthält. Die 13 deutschen Anbaugebiete im Überblick
Ahr: Frühburgunder an der Ahr immer charaktervoller Der Frühburgunder kann zu den interessantesten deutschen Rotweinsorten gehören. Diese Einschätzung fand der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne, bei den diesjährigen Verkostungen vollauf bestätigt. „Der Frühburgunder hat in den letzten Jahren rasant an Qualität zugelegt“, berichtet Payne. Folglich gibt es eine eigene Hitliste für diese Sorte, deren Spitzenweine mit 89 bis 92 Punkten bewertet wurden. Stodden führt die Frühburgunder-Erzeuger an, aber auch Meyer-Näkel, Deutzerhof, Kriechel, Kreuzberg und die Weinmanufaktur Dagernova haben sehr schöne Exemplare vorgestellt. Paul Schumacher aus Marienthal hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich und ist in kürzester Zeit zu einer festen Größe an der Ahr geworden. Vor allem die Gleichmäßigkeit der diesjährigen Kollektion auf hohem Niveau hat die Redaktion beeindruckt und zur Verleihung der zweiten Traube animiert. Auch das Weingut Klosterhof der Familie Gilles ist in Marienthal situiert. Dieser Erzeuger kommt beim Ausbau ganz ohne junges Eichenholz aus. Für die sehr gute Kollektion gab es die erste Traube.
Das Spitzenquartett, das die Ahr anführt, hat seine Stellung gefestigt. Jean
Stodden hat im Jahrgang 2007 am besten gearbeitet. Sein »Großes Gewächs«
aus dem Ahrweiler Rosenthal schaffte folglich als einziger Ahrwein den Sprung
unter die besten zehn Spätburgunder des Jahrgangs in Deutschland. Adeneuer,
Deutzerhof und Meyer-Näkel sind die anderen Spitzengüter.
Baden: »Aufsteiger des Jahres« ist Johannes Freiherr von Gleichenstein »Zunehmend nutzt er das große Potenzial der Spitzenlagen in Oberrotweil für exzellente Burgunder«, lobt Chefredakteur Joel Payne den Winzer. Mit seinem besten trockenen Spätburgunder aus 2007 dringt Gleichenstein ebenso in die absolute deutsche Spitze vor wie mit seinem trockenen Grauburgunder aus dem Oberrotweiler Henkenberg – mit 2008 schon zum zweiten Male in der Spitzenreiter- Liste. In Burkheim knüpfen Arne und Martin Bercher an glanzvolle Zeiten an. In einer großen Kollektion fanden die strengen Tester einen durchgängig hohen Qualitätsstandard. In der Spitze können die Bercher-Weine wieder mit den besten des Landes mithalten. Die 2008er Großen Gewächse von Weiß- und Grauburgunder sowie der 2007er Spätburgunder, alle aus dem Burkheimer Feuerberg, schafften souverän den Sprung in die bundesdeutschen Spitzenreiter-Listen. Die strengen Verkoster des WeinGuide sehen beim badischen Spätburgunder mittlerweile eine Entwicklung hin zu mehr Eleganz, Schliff und Kontur, weg von einseitiger Dichte, überreifer Süße und vordergründiger Gefälligkeit. Die Natur spielte den Winzern im Jahrgang 2007 aber auch in die Karten: mit hoher Traubenreife bei gleichzeitig feinen Gerbstoff- und Säurewerten. »Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Dennoch bleibt festzuhalten, dass in Baden noch nie so herausragende Spätburgunder und Pinot Noirs erzeugt wurden wie in 2007 – und dies in einer großen Bandbreite bis hin zu den Genossenschaften«, berichtet Joel Payne. Ähnlich Gutes lässt sich über die weißen Burgunder des Jahrgangs 2008 sagen. Mehr Säure als im Vorjahr und ebenfalls gesundes, reifes Traubengut brachte feingliedrige, gut strukturierte und langlebige Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnays hervor. »Eine seltene Harmonie und Balance, auch was den Holzeinsatz anbelangt«, haben die Tester bei zahlreichen Proben festgestellt. Bernhard Huber führt als einziger Fünf-Trauben-Betrieb die Spitzengruppe in der Region an. Ihm folgen nun sechs Erzeuger mit vier Trauben, wobei die Redaktion Salwey in dieser Gruppe derzeit am stärksten einschätzt. Gleiches gilt bei den Drei-Trauben-Güter für Bercher, Claus Schneider und Seeger. Zwei Winzer dürfen sich über eine dritte Traube freuen: Holger Dütsch und Ewald Kopp. Mit zwei Trauben werden nun das Hofgut Consequence, Otto und Martin Frey sowie das Öko-Gut Pix geführt. Insgesamt zehn Neulinge begrüßt die Redaktion unter den Traubenbetrieben. Insgesamt werden im neuen Gault Millau WeinGuide 90 Erzeuger aus Baden ausführlich dargestellt, weitere 39 Betriebe gelten als empfehlenswert.
Franken: Großartige Silvaner krönen den Jahrgang Bei den Verkostungen fiel den strengen Tester ansonsten auf, dass die früher einmal gebietstypischen, betont herben und gelegentlich auch liebenswert kantigen Frankenweine etwas rar geworden sind. Vielfach werde durch moderne Kellertechnik relativ viel Frucht bei den Weißweinen erhalten. Zwar stehe dann »trocken« auf dem Etikett, aber die Weine präsentierten sich geschmacklich recht süß und nicht selten uniform. Die Gault Millau-Redaktion bleibt zuversichtlich und hofft auf eine Ausnahmeerscheinung. Das Trio an der Spitze mit Castell, Fürst und Sauer hat keinen Zuwachs bekommen. Paul Fürst und Horst Sauer sind Primus inter pares bei den Vier-Trauben- Betrieben. Die Drei-Trauben-Kategorie verzeichnet gleich vier Neuzugänge. Rückkehrer Schmitt’s Kinder gehört ebenso dazu wie Michael Fröhlich, Max Müller I. und Öko-Pionier Gerhard Roth. Aufsteiger auf zwei Trauben ist das Weingut Rudloff in Nordheim. Gleich fünf Neulinge verzeichnete die Klasse mit einer Traube. Auffälligster Newcomer ist hier das mittelfränkische Schloss Frankenberg, das sich vor einigen Jahren aus der Weinproduktion verabschiedet hatte, aber jetzt nach einem Besitzerwechsel und neu durchstartet. In Würzburg zeigt sich das Bürgerspital in deutlich besserer Form als vor einem Jahr, das Juliusspital nutzt die Möglichkeiten im neuen Keller immer besser und hat derzeit die Führungsposition in der fränkischen Metropole inne. Das Weingut am Stein war nicht in Bestform. Außerhalb der Gebietshauptstadt konnten die Iphöfer Ruck und Wirsching sowie Silvaner-Großmeister Rainer Sauer und der Taubertäler Jürgen Hofmann überzeugen. Positives gibt es auch von den Großbetrieben zu berichten: Die Genossenschaften haben in den letzten Jahren deutlich an Qualität zugelegt. Insgesamt werden 63 Güter und ihre Weine im neuen Gault Millau WeinGuide ausführlich vorgestellt, 37 weitere schafften die Aufnahme in die Rubrik der empfehlenswerten Betriebe.
Hessische Bergstraße: Weine von animierender Frucht Die Erzeuger profitieren in diesem Jahrgang von einer animierenden Frucht. Viele Weine sind balanciert und klar, was in den Vorjahren nicht immer so war. Ein längeres Lager auf der Feinhefe hat sich bei vielen Weinen vor allem im säurebetonten Jahrgang 2008 positiv bemerkbar gemacht. Mehr Qualität fanden die strengen Verkoster auch im Weingut der Stadt Bensheim. Und wieder einmal konnten die Genossen der Bergsträßer Winzer mit einer erstaunlichen Palette überzeugen. Das gilt ebenso für das Weingut Edling. Gerade mal fünf Traubenbetriebe von der Hessischen Bergstraße sind im neuen WeinGuide gelistet, lediglich zwei weitere Güter sind als empfehlenswert eingestuft.
Mittelrhein: Mit dem Jahrgang 2008 kehrt die Frische zurück Nach wie vor ist das Preis-Leistungs-Verhältnis am Mittelrhein unschlagbar, findet die Gault Millau-Redaktion. Vor allem mit feinherben und halbtrockenen Rieslingen haben die Spitzenwinzer auch im Jahrgang 2008 punkten können. Dabei hätten sich die Spitzenbetriebe keine Blöße gegeben, aber auch im mittleren Qualitätsbereich gab es kaum Ausrutscher, berichtet Payne. Furore machte Spitzenwinzer Florian Weingart, als er zwei Trockenbeerenauslesen aus 2007 und 2008 vermählte, ein bislang wohl einzigartiger Vorgang. Weil der edelsüße Wein im Vorjahr nicht weit genug vergoren war (5,5 Prozent AlkoSeite hol müssen es schon sein), verschnitt der Spayer Winzer den edelsüßen Tropfen einfach mit dem 2008er. Jetzt hat er eine Trockenbeerenauslese ohne Jahrgang, lediglich versehen mit dem kurzen Hinweis „7 und 8“. An der Spitze des Gebietes setzte sich Florian Weingart auch dieses Mal als bester Erzeuger am Mittelrhein mit einer überzeugenden Gesamtleistung vor seinem Nachbarn und Kollegen Matthias Müller durch. Von den Drei-Trauben- Betrieben zeigen sich Didinger und Jost deutlich verbessert. Die Überraschung im Zwei-Trauben-Bereich ist das Weingut August und Thomas Perll, das gegenüber dem Vorjahr deutlich zugelegt hat, insbesondere im trockenen Bereich. Das von rund 450 Hektar Steillagen geprägte romantische Rheintal bleibt fest in den Händen von einigen leistungsfähigen Familienbetrieben, wovon der neue Gault Millau WeinGuide 17 in der Traubenklasse vorstellt. Dazu kommen immerhin noch 12 »weitere empfehlenswerte Betriebe«.
Mosel: Mosel-Rieslinge bieten tolles Trinkvergnügen Dass in keinem anderen Anbaugebiet es der Riesling in seiner fruchtsüßen Variante so zur Vollkommenheit bringen kann wie eben an der Mosel, ist lange bekannt. Nun scheint die Region auch bei der Qualität der trockenen Rieslinge Boden gutzumachen. Das liegt laut Gault Millau auch daran, dass der Export stark zurückgegangen sei und sich Winzer zum Ausgleich nun mehr dem inländischen Publikum widmen. Und das fragt meist trockene Weine nach. Einige Erzeuger stellen schon seit Jahren trockene Spitzengewächse vor. Doch noch nie wurden dem Verkostungsteam des Gault Millau in einer solchen Breite ansprechende trockene Rieslinge vorgestellt. »Auch die Weine vieler wenig oder nicht bekannter Produzenten überzeugen uns mittlerweile«, berichtet Payne. Er ist auch angetan von der Entwicklung an der Obermosel, an der Grenze zu Luxemburg. Dort haben einige junge Winzer in den letzten Jahren deutlich an Qualität zugelegt. Doch nicht mit Riesling, sondern mit Elbling und Burgundersorten, die dort bevorzugt gedeihen. Erstmals hat es ein Spätburgunder von der Mosel unter die besten zehn Rotweine Deutschlands gepackt – auch diese große Überraschung steht im neuen Gault Millau WeinGuide Deutschland. Ansonsten spielen Mosel, Saar und Ruwer ihre bewährten Trümpfe auch im Jahrgang 2008 mit der bekannten Souveränität aus. Ihre besten Rieslinge dominieren gleich mehrere Spitzenreiter-Listen. Den Vogel schießt das Weingut van Volxem ab, das gleich vier seiner feinherben Rieslinge unter die besten zehn des Landes brachte: ein Rekord. Klare Dominanz herrscht auch in der neuen Hitliste der besten Riesling-Kabinettweine: Acht von zehn Weinen kommen von der Mosel. Einsam an der Spitze steht der Inbegriff eines großen Kabinetts – aus der Wehlener Sonnenuhr, von Altmeister Joh. Jos. Prüm. Fast in eine eigene Kategorie katapultierten die Verkoster der Bundesfinalprobe einen grandiosen Saar-Riesling: Die Goldkapsel Auslese von Egon Müller – Scharzhof, die zwei Punkte vor dem massierten Verfolgerfeld landete. Die Müller- Auslese ist ein Phänomen, das der Redaktion 97 Punkte wert war: ein genial leichter Wein, der zugleich dicht und gehaltvoll ist. Insgesamt sieben Mosel- Auslesen kamen unter die besten zehn des Landes. Kein anderes Anbaugebiet verfügt über eine solche Phalanx an Spitzen- Weingütern wie die Mosel. Das gilt nach wie vor, obwohl mit Reinhold Haart und Dr. Loosen zwei Erzeuger aus dem Olymp der Fünf-Trauben-Betriebe absteigen mussten. Fritz Haag, Egon Müller und Joh. Jos. Prüm bilden nun das Triumvirat der weltbesten Weinerzeuger an der Gebietsspitze. Ihm folgen elf Weingüter mit vier Trauben, wobei Clemens Busch einziger Aufsteiger in diesen erlauchten Kreis ist. Der Pündericher Winzer hatte bereits in den Vorjahren seine Klasse gezeigt, als er die beste Riesling Auslese und den besten edelsüßen Riesling des Landes stellte. Im Jahrgang 2008 überzeugte nun die gesamte Kollektion ohne Ausnahme. In keiner anderen Region ist das Mittelfeld im Traubenbereich so stark wie an Mosel, Saar und Ruwer. 32 Erzeuger mit drei Trauben, sogar 42 Güter mit zwei Trauben sind der Beleg für die hohe Qualitätsdichte in diesem Anbaugebiet. Becker-Steinhauer und Weiser-Künstler freuen sich über drei Trauben, sechs Güter sind neu in der Zwei-Trauben-Klasse. Gleich elf Erzeuger haben den Aufstieg in die Traubenklasse geschafft, sechs mussten aber auch absteigen. Insgesamt 119 Betriebe und ihre Weine haben die Autoren an Mosel, Saar und Ruwer ausführlich besprochen, soviel wie in keiner anderen deutschen Weinregion. Dazu kommen 52 als empfehlenswert eingestufte Güter.
Nahe: »Winzer des Jahres« ist Tim Fröhlich aus Bockenau Gäbe es den Titel »Einsteiger des Jahres«, so ging er an das Schlossgut Diel in Burg Layen. Noch nie ist ein Weingut quasi aus dem Stand direkt in die Vier- Trauben-Riege gesprungen. Die Erklärung ist einfach: Weil Weingutsbesitzer Armin Diel Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide war, wurde 16 Jahre lang auf die Bewertung seines Gutes und seiner Weine verzichtet. Nach Diels Rückzug aus der Redaktion im Sommer diesen Jahres verstärkt das Schlossgut nun die Nahe-Spitze im WeinGuide: Neben Dönnhoff und Emrich-Schönleber mit je fünf Trauben gehören Dr. Crusius, Diel und Schäfer-Fröhlich zur Führungsgruppe. Insgesamt 12 Weine konnten Nahegüter in diesem Jahr in den bundesdeutschen Spitzenreiter-Listen platzieren. Aber es sind nur drei Weingüter, aus denen diese Ausnahme-Gewächse kommen. Gleich mit zwei seiner grandiosen Sekte auf Champagner-Niveau trumpfte das Schlossgut Diel auf: Die Cuvée »Mo« wurde sogar Siegersekt des Jahres. Die beste Riesling Spätlese 2008 kommt vom »Winzer des Jahres«. Die Goldkapsel-Spätlese aus dem Bockenauer Felseneck setzte sich unangefochten an die Spitze. Doch stellt Schäfer-Fröhlich noch zwei weitere Weine in der Top Ten. Emrich-Schönleber schoss den Vogel bei den Edelsüßen ab. Mit seinem Monzinger Halenberg Eiswein Goldkapsel konnte nur Schäfer-Fröhlich mithalten. Die beiden Nahe-Spitzenbetriebe verwiesen die starke Konkurrenz vor allem aus dem Rheingau auf die Plätze. Von Auf- und Abstiegen blieb das kleine Weinbaugebiet in diesem Jahr verschont. Dennoch hat die Redaktion einige Extra-Lorbeeren verteilt. So gelten Jakob Schneider in Niederhausen (drei Trauben), Bamberger in Meddersheim, die Hahnmühle in Mannweiler-Cölln und die Gutsverwaltung in Niederhausen (je zwei Trauben) sowie die Gebrüder Kauer in Windesheim (eine Traube) als besonders engagiert in ihrer jeweiligen Klasse. Neu mit einer Traube sind Schild in St. Katharinen, Karlheinz Schneider in Bad Sobernheim und Schömehl in Dorsheim. Insgesamt 39 Betriebe haben die Autoren ausführlich beschrieben und deren Weine bewertet, 20 weitere werden empfohlen.
Pfalz: Dr. Bürklin-Wolf stellt die »Kollektion des Jahres« An der Spitze dieser außerordentlichen Qualitätsbewegung steht das Weingut Dr. Bürklin-Wolf in Wachenheim, das für die beste »Kollektion des Jahres« ausgezeichnet wurde. »Seit Jahren arbeitet man in diesem Pfälzer Traditionsgut intensiv daran, die Eigenart der großartigen Riesling-Lagen in Deidesheim, Forst und Wachenheim herauszuarbeiten. So entstehen einmalige Weinpersönlichkeiten «, lobt Chefredakteur Joel Payne. Nirgends ist es leichter, günstig an beste Qualitäten zu kommen, wie in Deutschlands zweitgrößtem Anbaugebiet, das sich von Grünstadt im Norden bis Schweigen an der französischen Grenze erstreckt. Der Jahrgang 2008 hat zugleich einen Stilwechsel herbeigeführt. „Die besten trockenen Rieslinge wurden endlich wieder zu reifen, aber zugleich auch eleganten Weinen, wie man es vom Riesling erwartet“, berichtet Payne. Während der Riesling also über weite Strecken brilliert hat, war 2008 nicht gerade ein besonders gutes Burgunderjahr. Allenfalls einige Chardonnays genügen gehobenen Ansprüchen. Anders sieht es bei den 2007 er Spätburgundern aus. Zwar dominiert hier mehr denn je Friedrich Becker aus Schweigen mit seinen Weltklasse-Weinen das Feld. Doch dahinter gruppieren sich zahlreiche Betriebe, die mit immer besseren Spätburgundern auf den Markt drängen. Erneut stellt die Pfalz den besten Rotwein in ganz Deutschland. Trotz aller Bemühungen der badischen Konkurrenz trägt Friedrich Becker zum siebten Male in Folge diese Ehrung nach Hause. Diese Leistung ist ohne Beispiel in der 17- jährigen Geschichte des WeinGuide.
Weiterhin führt Hansjörg Rebholz in Siebeldingen die Phalanx der Spitzenbetriebe
der Pfalz alleine an. Dem einzigen Fünf-Trauben-Betrieb folgen zehn Vier-
Trauben-Güter, wobei Becker und Bürklin-Wolf die Nase in dieser Gruppe vorn
haben. Den Sprung in die Drei-Trauben-Kategorie schafften Schuhmacher in
Herxheim am Berg und Spindler in Forst. In die Zwei-Trauben-Klasse vorgerückt
sind Dengler-Seyler, Lidy, Rings und Wageck-Pfaffmann. Biffar und Siegrist
mussten leider absteigen. Insgesamt drei neue Betriebe wurden in die Traubenklasse
aufgenommen: der Bärenhof in Bad Dürkheim-Ungstein, Jürgen Heussler
in Rhodt und Rudi Möwes in Weyher.
Rheingau: Rheingau glänzt in den Berglagen Generell waren die Berglagen den flussnahen Weinbergen im mittleren Rheingau überlegen, da sie die feuchte Witterung besser wegstecken konnten als die von Lösslehm geprägten Lagen in Nähe des Rheinufers. Besonders in den steilen Hängen im Westen der Region konnten gesunde und vollreife Trauben gelesen werden. Endlich gab es wieder einmal trockene Rieslinge mit moderatem Alkoholgehalt. Wann hatte man zuletzt so viele Erste Gewächse mit einem Alkoholgehalt von 12,5 Prozent probiert? Teilweise gehen die Gradationen bis auf elf Volumenprozent zurück, in Einzelfällen sogar bis auf 10,5 Prozent Alkohol. Doch nicht alle diese Weine gehören zur Gebietsspitze.
An der Spitze der Region festigt das Weingut Weil mit einer beachtlichen Kollektion
seine Führung, bei der die Edelsüßen mit zu den besten des Landes zählen.
Allen voran konnten Leitz und Breuer aus ihren Steillagen großartige Rieslinge
keltern. Allein von diesen drei Gütern landeten neun Weine in den Spitzenreiterlisten.
Mit einer bemerkenswerten Kollektion schaffte das Staatsweingut Kloster Eberbach den Aufstieg in die Drei-Trauben-Klasse, ebenso wie Graf von Kanitz, der vor allem mit seinen Lorcher Kabinett- und Spätlese-Weinen Aufmerksamkeit erregte. Die Rückkehr auf zwei Trauben schaffte Altenkirch mit mineralisch betonten Weinen. Der Sprung in die Traubenwelt gelang gleich vier Weingütern: Laquai aus Lorch, dem Weingut George aus Geisenheim (mit Rüdesheimer Lagen) sowie den beiden Oestrich-Winkelern Hans Theo Eser und Manfred Egert. Im neuen Gault Millau WeinGuide werden insgesamt 67 Güter und ihre Weine ausführlich vorgestellt. Sechs weitere empfehlenswerte Betriebe runden das Angebot aus dieser Region ab.
Rheinhessen: Eva Vollmer ist die »Entdeckung des Jahres« Doch nicht nur viele 2008 Weißweine schnitten überdurchschnittlich ab, auch etliche Rotweine aus dem Jahrgang 2007 haben die Verkoster beeindruckt. »Beim Rotwein scheint dieser Jahrgang in Rheinhessen den Durchbruch in eine neue Klasse zu markieren«, heißt es im neuen Gault Millau. Auch beim Silvaner, einer alten Domäne dieser Region, hat das Team des Gault Millau viele erstaunliche Exemplare probiert. Dazu sprießen zahlreiche talentierte Jungwinzer wie Pilze aus dem Boden. Noch nie wurden in dem Gebiet so viele erste Trauben vergeben wie in diesem Jahr: 15 Stück. Unter den Neulingen ist auch Eva Vollmer aus Mainz, die »Entdeckung des Jahres« im diesjährigen Gault Millau. »Die Mainzer Powerfrau geht selbstbewusst zu Werke und beherrscht die Rebsortenpalette vom vitalen Riesling bis zum vibrierenden Weißburgunder«, heißt es in der Laudatio. Groß ist auch die Zahl der Aufsteiger in diesem Jahr. So konnten sich Manz, Riffel und Sankt Antony auf drei Trauben verbessern, Brüder Dr. Becker, Fleischer, Johanninger, Schembs, Stallmann-Hiestand, Teschke und Thörle sich jeweils über die zweite Traube freuen. An der absoluten Spitze der Region haben sich die Kräfteverhältnisse indes nicht verändert. Einsam vorne mit fünf Trauben steht Keller aus Flörsheim-Dalsheim, mit vier Trauben folgen Wagner-Stempel und Wittmann.
Insgesamt 82 Trauben-Betriebe werden ausführlich beschrieben. 52 weitere
sind als »empfehlenswert« eingestuft, darunter einige Neulinge.
Platzhirsch im Gebiet bleibt Bernard Pawis, der in den letzten Jahren stets seine
Qualitäten verbessern konnte und mit den Großen Gewächsen zeigt, was momentan
in der Region möglich ist. Dieses Jahr hat nach Feststellung der Gault
Millau-Redaktion allerdings Uwe Lützkendorf mächtig Boden gut machen können.
Seine Kollektion bringt einen großen Qualitätssprung.
Insgesamt fünf Erzeuger wurden mit Trauben ausgezeichnet. Weitere zehn Betriebe
halten die Autoren für empfehlenswert. Den größten Qualitätssprung unter
den empfehlenswerten Betrieben hat sicherlich das Landesweingut Kloster
Pforta gemacht. Hier scheinen sich die personellen Veränderungen langsam
auszuwirken. Aber auch Betriebe wie Herzer oder Frank Böhme sind auf einem
gutem Wege.
Sachsen: Normaler Jahrgang mit einigen Gewinnern
Die wohl beste Kollektion des Jahrgangs 2008 kommt vom Weingut Klaus Zimmerling.
Schon die Basisweine haben viel Nerv, loben die Tester des Gault Millau.
Das größte Privatweingut der Region, Schloss Proschwitz, konnte nach Überzeugung
der Redaktion das hohe Niveau der Basisweine halten, doch fehle in
der Spitze diesmal ein wenig der Glanz. Martin Schwarz konnte ebenso an den
Vorjahrgang anknüpfen wie das Staatsweingut Schloss Wackerbarth.
Bei den jungen Weingütern zeigen sich vor allem Friedrich Aust und Frederic
Fourré verbessert. Auch das Weingut Drei Herren hat seine gute Qualität gehalten.
Karl-Friedrich Aust und Vinzenz Richter runden die Ein-Trauben- Kategorie
ab. Es sind ingesamt sieben Güter, die in Sachsen mit einer oder mehr Trauben
ausgezeichnet wurden. Dazu kommen noch sechs empfehlenswerte Betriebe.
Württemberg: Staatsweingut und Genossen punkten
Auch ein übermäßiger Einsatz von neuem Holz steuert seinen Teil dazu bei,
dass mancher Rote aus Württemberg heute wirkt wie ein Wein aus der Neuen
Welt.
Die Phalanx der Top-Genossenschaften ist weiter gewachsen. Dort bekommt
man für weniger als fünf Euro animierende Trinkweine, die auch höheren Ansprüchen
durchaus genügen, heißt es im neuen WeinGuide. Bestes Beispiel
sind für die Redaktion die Weingärtner in Cleebronn-Güglingen, die erstmals mit
einer Traube ausgezeichnet wurden.
Neue Trends haben sich etabliert, aber auch Klassiker werden wiederbelebt. So
wird der Muskattrollinger, ausgebaut als frischer Rosé-Sommerwein, immer
beliebter. Und das Viertele Trollinger scheint wieder an Zuspruch zu gewinnen.
Im neuen WeinGuide werden die besten Trollinger und dazu die am höchsten
bewerteten Lemberger in eigenen Hitlisten zusammengestellt.
Gert Aldinger und Rainer Schnaitmann führen mit jeweils vier Trauben weiterhin
die Hitliste der Region an. Jürgen Ellwanger und Hans Haidle hält die Gault Millau-
Redaktion für die Spitze in der Drei-Trauben-Kategorie. Dorthin aufgeschlossen
hat das Staatsweingut Weinsberg. In die Riege mit zwei Trauben sind die
Güter Heid und Sonnenhof aufgestiegen. Und ihre erste Traube haben neben
Cleebronn-Güglingen Graf Bentzel-Sturmfeder und Birkert ergattert.
Die Autoren stellen die 38 besten Betriebe des Anbaugebietes ausführlich mitsamt
ihren Weinen vor und geben 24 weitere Empfehlungen, die oft zu interessanten
und auch preiswerten Weinen führen.
Gault Millau WeinGuide Deutschland 2010
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