Feinschmeckerrestaurants in TaipehDatum: 26. 01. 2010Gourmet Report Archiv
Feinschmeckerrestaurants in Taipeh
Im Gourmethimmel: Museums-Kunstwerke zum Verspeisen und Vorschlaghammer statt Silberbesteck Feinschmecker haben ein neues Mekka: Auch wenn Taiwan für Nachtmärkte und die delikaten Appetithappen xiaochi bekannt ist, findet man auf der ostasiatischen Insel zahlreiche Gourmettempel mit einem erlesenen Angebot für den verwöhnten Gaumen. Gerade in der Hauptstadt Taipeh eröffnet sich dem Genießer eine so reiche Auswahl an exquisiten Restaurants, dass man sich wahrhaft im Siebenten Himmel wähnt. Informationsbroschüren können beim Taiwan Tourismusbüro in Frankfurt angefordert werden. Eine außerordentlich originelle Idee liegt der Speisekarte des Silks Palace ( www.SilksPalace.com.tw ) zugrunde, der gleich neben dem Nationalen Palastmuseum zu finden ist: Ein Großteil der Speisen wurde nämlich von den Exponaten eben jenes Nachbarn inspiriert, der eine regelrechte Schatztruhe der einheimischen Kultur darstellt. So wundert es auch nicht, dass man sich beim Betreten des Nobelrestaurants fühlt, als wandele man durch eine weitere Galerie des Museums. Die Gemälde, von denen viele glückliche Menschen beim Verzehren traditioneller Speisen zeigen, scheinen nahtlos in das Leben im Inneren des Restaurants überzugehen, wo sich die Gäste zum Klappern ihrer Ess-Stäbchen angeregt unterhalten. Ein Beispiel für ein museal inspiriertes Mahl ist das "Dongpo-Schweinefleisch", dem eine Achatskulptur mit dem Titel "Fleischförmiger Stein" im Museum als Vorlage diente. Glücklicherweise nimmt Küchenchef Kuo Taiwan nicht jede Bezeichnung der Ausstellungsstücke wörtlich: Beim "Jadeit-Kohl mit Insekten" gibt er nämlich keine Heuschrecken hinzu, wie im Museum, sondern leckere Garnelen. Sein spezieller Trick: Sofort, nachdem der Kohlkopf aus der Pfanne kommt, taucht er ihn kurz in Eiswasser, damit er besonders knusprig wird. Einige der Spezialitäten des Restaurants sind so aufwendig, dass man sie drei Tage im voraus bestellen muss. So tut es dem einen oder anderen Gast möglicherweise in der Seele weh, die liebevoll gestalteten kulinarischen Kreationen (das Auge isst schließlich mit) "zerstören" zu müssen, um sie zu essen, doch hier kann Küchenmeister Kuo beruhigen: Dinge zu bewahren, meint er, sei Aufgabe des Museums; Aufgabe des Gastes hingegen sei es, sie zu genießen. Übrigens kann man auch im Silks Palace kleine Mahlzeiten auf die Schnelle einnehmen und ist keineswegs gezwungen, das Urlaubsbudget übermäßig zu strapazieren: In den oberen Stockwerken gibt es leichtere Kost für schmalere Geldbeutel, und im Untergeschoss findet man eine Miniaturversion des berühmten Nachtmarkts von Tainan, der auf der gesamten Insel für seine traditionellen Imbisse bekannt ist. Hier kann man sich leckere Danzai-Nudeln oder das sogenannte "Sarg-Sandwich" schmecken lassen, das trotz seines morbiden Namens vorzüglich schmeckt. Ein weiteres sehr empfehlenswertes Restaurant in Taipeh ist das schräg gegenüber der Taipeh-Arena gelegene Dian Shui Lou ( www.DianShuiLou.com.tw ). Hier lernt man eine ganz andere Facette der einheimischen Esskultur kennen, nämlich die Shanghai-Küche, in der Meeresfrüchte eine große Rolle spielen und süße Soßen mit salzigen Zutaten in raffinierter Weise kombiniert werden. Im Unterschied zum großzügig gestalteten Silks Palace wirkt das Dian Shui Lou schon fast heimelig. Hinter einer unscheinbaren Fassade findet man ein hell beleuchtetes Restaurant mit einer überraschenden Anzahl an Pflanzen und sogar einem kleinen Teich, über den eine Miniaturbrücke führt. Die Köche sieht man gleich beim Betreten des Hauses zur Linken, wo sie in einer offenen Küche Knödel und einige der weniger aufwendigen Gerichte vor den Augen der Gäste zubereiten. Eine Spezialität des Hauses, das "Bettlerhühnchen", wird auf besonders originelle Weise serviert. Es handelt es sich um ein gut gewürztes, mariniertes und gefülltes Federvieh, das erst in Lotusblätter eingewickelt und dann mit einer Lehmschicht bedeckt in den Ofen geschoben wird. Beim Auftischen reicht man dem Gast einen Vorschlaghammer, um die nun feste Tonschicht zu zerstören - möglichst mit nur einem Schlag. Dank seiner speziellen Art der Zubereitung ist das Bettlerhühnchen aber so herrlich saftig, dass man keine zusätzliche Soße benötigt. Küchenchef Chen Wen-cang beschreibt das Huhn als typisches Festtagsgericht, vergleichbar mit unserer Weihnachtsgans oder mit dem Erntedank-Truthahn der Amerikaner. An heimische Schweinshachsen erinnern die "würzigen, salzigen, duftenden und schuppigen Schweinsfüße" mit leicht säuerlichen Tomaten. Als Nachtisch empfiehlt sich dazu "Wasserbrotwurzel mit Eis", eine perfekte Kombination aus den der Süßkartoffel ähnlichen Taro-Wurzeln und goldfarbener Eiskrem, die auf der Zunge zergeht. Dies sind nur ein paar Beispiele der raffinierten und originellen Küche Taiwans, die von zahlreichen regionalen Küchen des Festlandes inspiriert wurde. Wer aufgeschlossen und erkundungsfreudig auf kulinarische Streifzüge geht, wird noch viele weitere Leckereien und ganz ungewohnte Delikatessen auf der "schönen Insel" Ostasiens entdecken - in den Garküchen am Straßenrand ebenso wie in Schnellimbissen und Feinschmeckerrestaurants. Lassen Sie sich überraschen!
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