Eiweißmolekül identifiziertDatum: 11. 03. 2010Gourmet Report Archiv
Forscher identifizieren Eiweißmolekül, das die Fettspeicherung
kontrolliert
Ein Wissenschaftlerteam unter Führung von Annette Schürmann vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) hat nun ein Eiweißmolekül identifiziert, das die Fettspeicherung fördert. Das Protein sorgt dafür, dass die von hoch spezialisierten Fettzellen aufgenommenen Lipide in Form großer Fetttröpfchen gespeichert werden können. Zudem wirkt es dem Fettabbau entgegen. „Unsere am Mausmodell gewonnenen Ergebnisse tragen dazu bei, die molekulare Regulation der Fettspeicherung besser zu verstehen“, sagt Annette Schürmann. Das Eiweißmolekül sei interessant, da es auch im menschlichen Fettgewebe eine Rolle spielt. Das Forscherteam, zu dem auch Wissenschaftler der Universitäten Münster und Leipzig sowie des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried gehören, veröffentlichte seine Studienergebnisse in der Fachzeitschrift Molecular and Cellular Biology (Angela Hommel et al., 2010; doi:10.1128/MCB.01269-09). Überschüssige Nahrungsenergie wird langfristig in Form von Körperfett gespeichert. Dies ist seit langem bekannt - weitgehend unbekannt sind dagegen die molekularen Mechanismen, welche die Fettspeicherung regulieren. Um diese genauer zu untersuchen, nutzte das Team um Annette Schürmann einerseits ein Zellkulturmodell und andererseits ein besonderes Mausmodell. Bei letzterem handelt es sich um Tiere, bei denen im Vergleich zu Kontrollmäusen die Forscher das Eiweißmolekül ARFRP1 spezifisch entfernten. Durch den Vergleich der physiologischen Daten der Mäuse, die in ihrem Fettgewebe kein ARFRP1-Protein produzieren, mit den Daten von Kontrolltieren konnten die Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Funktion des Eiweißmoleküls ziehen. Ebenso lieferten zusätzliche Zellkulturexperimente ergänzende biochemische Daten.
Die Tiere ohne ARFRP1 speicherten die Lipide kaum im Fettgewebe; die in
den einzelnen Fettzellen eingelagerten Fetttröpfchen waren winzig.
Zusätzliche biochemische Analysen zeigten darüber hinaus, dass ein
fettabbauendes Enzym (hormone-sensitive lipase) stärker aktiviert wurde. „Aufgrund unserer Daten gehen wir davon aus, dass das identifizierte Protein gleichzeitig zwei Prozesse reguliert. Einerseits fördert es die Fusion kleiner Fettpartikel zu größeren Fetttropfen. Andererseits hemmt es den enzymatischen Fettabbau“, erklärt Angela Hommel, Erstautorin der Studie. Damit sei die Forschung wieder ein kleines Stückchen weitergekommen, um die molekularen Grundlagen der Fettspeicherung zu verstehen, ergänzt Annette Schürmann.
Die Wissenschaftler gehen derzeit nicht davon aus, dass ihre
Erkenntnisse in naher Zukunft dazu genutzt werden können, neue
Medikamententherapien gegen krankhaftes Übergewicht zu entwickeln. Denn
das identifizierte Protein spielt auch während der Embryonalentwicklung
sowie in anderen Organen wie der Leber, den Nieren oder dem Gehirn eine
wichtige Rolle. Würde man also beispielsweise versuchen, die Wirkung des
Proteins ARFRP1 und damit auch die Fettspeicherung medikamentös zu
unterdrücken, wären sicher zu starke Nebenwirkungen zu erwarten.
Allerdings stellt die von der Arbeitsgruppe Schürmann entwickelte Maus
ein neues Modell zur Untersuchung der Ursachen und Mechanismen der
Insulinresistenz dar. „Aufgrund der defekten Fettspeicherung im
Fettgewebe lagert der Körper Fette in anderen Organen, wie z.B. der
Leber, dem Skelettmuskel und dem Herz ein, wie es auch bei
übergewichtigen und adipösen Personen beobachtet wird. Diese
‚fehlerhafte’ Fettspeicherung wird mit einer verminderten
Insulinwirkung in Verbindung gebracht, deren molekularen Ursachen nun in
unserem Modell aufgeklärt werden können“, sagt Annette Schürmann.
Hintergrundinformation: Das so genannte weiße Fettgewebe erfüllt drei verschiedene Aufgaben:
- Es ist Speicher- und Depotfett; ein Mensch mit einer Fettreserve
von 15 Kilo kann etwa 50 bis 60 Tage ohne Nahrung auskommen. Die Fettzellen (Adipocyten) des weißen Fettgewebes sind vergleichsweise große Zellen. Die Zelle ist fast vollständig mit einem großen Fetttropfen ausgefüllt, wobei der Zellkern dicht an den Zellrand gedrückt ist. Stark vereinfacht, kann man sich die Fettzelle als einen dehnbaren Öltank vorstellen. Eine Abbildung von Fettzellen kann angefordert werden unter: presse@dife.de
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen
ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention,
Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler, davon wiederum 2.500 Nachwuchswissenschaftler. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de.
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