Carmen Krüger, Eichwalde bei BerlinDatum: 30. 07. 2006Gourmet Report Archiv
Carmens Welt
Diese Frau kann alles und macht alles: metzgern, kochen, bügeln, spülen, putzen, buchführen ... Ihr Restaurant liegt nicht gerade zentral, und doch ist Carmen Krüger ein Liebling der Feinschmecker - Norbert Thomma besucht Carmens Restaurant Das kulinarische Zentrum von Brandenburg liegt 52* 22’’ 25’ Nord und 13* 37’’ 11’ Ost. Ein alleinstehendes Haus, unscheinbar, die Fliesen bis zum ersten Stock verraten die ehemalige Fleischerei, links daneben ein Studio für Tier- und Erotikfotografie, Eichwalde, Bahnhofstraße 9, zu erreichen mit der S-Bahn Linie 46 in Richtung Königs Wusterhausen, dann drei Minuten zu Fuß. Dieses Eichwalde hat knapp 6000 Seelen, uraltes Kopfsteinpflaster, die meisten Landhäuser sind aufgemöbelt, Seen und Wälder ringsum, und mittendrin im Ort eine Fassade mit Baldachin und der Aufschrift: Carmens Restaurant. Man geht vier Stufen hoch, öffnet die Glastür, sieht einen merkwürdig grün gekachelten Tresen, auf dem sich eine Batterie sehr edler Brände reiht, den übersichtlichen Gastraum mit 26 Plätzen, auf blütenweißen Tischtüchern teure Gläser, an den Wänden gerahmte Tuschzeichnungen in Schwarz-Weiß, die Tür hinten führt ins Freie, wo im Sommer auch in einem kleinen Hof aufgetischt wird. Nicht leicht zu entdecken sind vier Urkunden, die untereinander hängen und auf denen der Gourmetführer Gault Millau für die vergangenen Jahre die Wirtin mit 16 von 20 möglichen Punkten und zwei von drei Kochmützen auszeichnet: „Dieses Restaurant gehört zu den 220 besten in Deutschland.“ Wo auf solchem Niveau geschnippelt und gebraten wird, stehen schnell mal zehn Köche am Herd, ein halbes Dutzend Kellner kümmern sich um den Service. Hier kocht die Chefin alleine, es bedient der knurrig-charmante Wolfgang Haase, mehr Stammpersonal ist nicht. Sie gießt sich eiskalten Sommerwein ins Glas, sie hat frei an diesem heißen Julinachmittag, der Deckenventilator wirbelt Luft durchs Lokal, und Carmen Krüger, 57, groß geblümte Bluse, blonde Haare, rote Backen, nimmt einen kräftigen Schluck. Ihr Weg zur gefeierten Köchin ist voller Kurven gewesen, gefüllt mit DDR-Geschichte, viel Plackerei, einem Bruch mit der Wende, nach der sie rasch die Gunst der Gastrokritiker gewinnt; „Feinschmecker“, „Stern“, „Essen und Trinken“ schwärmen, sie sei „ein archaisches Modell von Frauenküche“, ein Unikat, nur in ihr überlebten feine Brandenburger Küchentraditionen.
Lesen Sie den kompletten Bericht von - Norbert Thomma im Berliner Tagesspiegel:
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