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Mit 28 ist man in einem Alter, in dem man Ziele und Visionen schon ziemlich klar definieren kann. Romanowski hatte Visionen von klaren Formen und ästhetischem Design. Die berühmten Designer dieser Welt erzeugten zu dieser Zeit einen Wandel in der Denkweise der Nutzer. In vielen Bereichen der Konsumgüterwelt wurde das Design wichtiger als die Funktionalität. Obwohl spektakuläre Entwicklungen im Design einen völlig neuen Markt öffneten, fühlte Romanowski im Jahr 1988 eine gewisse Leere. Sein damaliger Beruf als Händler für Designartikel machte ihn zum Fachmann für das Schöne und das Außergewöhnliche, seine Liebe zum Detail jedoch zum Feind des Überflüssigen: Ihm fehlte das Zusammenspiel von Form und Funktion. Überall auf der Welt suchte er nach Produkten, die beiden Bedürfnissen gerecht werden sollten. Auf einer Fachmesse fiel ihm ein zu der Zeit spektakuläres Produkt in die Hand. Ein japanisches Designermesser der Marke Global. Auch wenn das Design der Globalmesser heute als ein wenig verstaubt und überholt gilt, so war es damals unvergleichlich. Die Frage, die sich Romanowski damals stellte, war: Ist das ein hübsches Gimmick für Designer Shops oder treffen sich hier meine Bedürfnisse in Sachen Design und Funktion? In langen Gesprächen mit den Produzenten lernte Romanowski die Tugenden dieser Messer kennen. Mit jedem Gespräch und mit jedem Test wurde mehr und mehr klar, dass es sich um eine Produktserie handelte, die in Europa und Amerika kein Pendant in Sachen Qualität und Nutzen hatte.
Hinzu kam das für die damalige Zeit fast futuristische Design des rallye-gepunkteten Integralmessers. Scharf wie eine Rasierklinge und durch einen komplizierten Hohlschliff extrem schnitthaltig, erzeugt aus hochwertigem japanischem Stahl und einer absurden Menge Handarbeit: So sah das Ergebnis einer langen Suche und die Erfüllung seiner Bedürfnisse aus. Form follows function.
Aber was für eine Form! Gemacht für Ästheten – in der Qualität des professionellen Bedarfs. Das war eine Herausforderung, die der Kragenweite des jungen Romanowski entsprach. 22 Jahre Kampf in einer Welt der Qualität, gegen eine Armada von Plagiaten und Nachmachern, sind seit dem geschlagen. Nicht ohne einen gewissen Stolz darf sich Christian Romanowski als Sieger bezeichnen, der aus diesem Kampf hervor ging.
Heute sind die Produkte seiner Firma Kochmesser.de in jeder ambitionierten Profiküche zu finden und kaum ein Messershop hat neben den vielen Billigprodukten der Konkurrenten nicht auch ein Regal mit den echten Klassikern aus Romanowskis Schmieden der Marken Haiku, Kasumi und natürlich des Type 301, Design by F.A. Porsche.
Auch die Oldies aus der Gründerzeit von Kochmesser.de, die Globalmesser, erfreuen sich immer noch einer großen Beliebtheit bei den Fans alter Klassiker.
Erstaunlich, wie Romanowski es geschafft hat, das Denken der Köche in einem Land, das einst so stolz auf seine Schneidwerkzeuge aus Solingen war, zu verändern. Obwohl die Produkte aus Japan nicht, wie es so oft der Fall bei asiatischen Produkten ist, über den günstigen Preis auf unseren Markt kamen, sondern nur über die Quali tät, schaffte Romanowski es, die deutschen Messer in eine zweite Liga zu verbannen. Ausschlaggebend dafür war sicher die Erkenntnis, dass Koch der einzige Berufszweig war, der bis dahin kein eigenes Handwerkszeug hatte. Man musste als Koch auf ein Handwerkszeug zurückgreifen, das für Metzger oder Hausfrauen konzipiert war.
Ganz früher gab es auch hierzulande Messer für Köche. Die Produktion wurde aber nach und nach aus Kostengründen komplett eingestellt. Um das zu verstehen muss man wissen, dass Messer für Hausfrauen und Metzger zwar über eine gewisse Schärfe, aber in erster Linie über Robustheit verfügen müssen. Beim Metzger ist das leicht zu erklären, da jeder weiß, dass der Metzger das Fleisch vom Knochen trennt und dass der Kontakt von Klinge und Knochen unausweichlich ist. Zudem wird bei den Zerlegearbeiten das Messer oft als Hebel genutzt. Bei Hausfrauen und Hobbyköchen ist es weniger leicht zu erklären. Hier ist es die geringe Anzahl und die kleine Auswahl der Messer, die das Bedürfnis nach Robustheit auslöst.
Im privaten Bereich wird mit ein und
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demselben Messer Fleisch geteilt, Gemüse und Kräuter geschnitten oder sogar auch der Gartenschlauch durchtrennt. Im Gegensatz dazu benötigt der Koch ein Messer, das es ihm er - möglicht, akkurat zu schneiden und gleichzeitig ermüdungsfrei zu arbeiten. Oft schneidet ein Koch mehrere Stunden am Tag und der Druck, der beim Schneiden benötigt wird, entscheidet über beides. Nur mit einem extrem scharfen Messer ist das Ergebnis befriedigend.
Um solch ein Messer zu produzieren, benötigt man einen Grundschliff, der von einer Maschine nicht geleistet werden kann. Es handelt sich um den Keilknieschliff. Das Wort Keilknieschliff ist eine etwas stümperhafte Übersetzung der Worte “ankle“, das Gelenk, und “angle“, welches Winkel bedeutet. Beim Keilknieschliff wird die Klinge in Form eines V ziemlich hohl an den Seiten ausgeschliffen. Dieser Schliff wird nicht nur per Handarbeit geleistet, er erfordert obendrein ein extrem hochwertiges Ausgangsmaterial. Die dadurch entstehende Klinge ist natürlich extrem scharf, aber obendrein auch noch sehr lange schnitthaltig. Das deutsche Pendant zum Keilknieschliff ist der ballige Schliff. Dieser sieht aus wie ein angeschärftes U und ist sehr robust. Er kann mit jedem beliebigen Stahl und zu 100% maschinell ausgeführt werden.
Mit steigenden Lohn kosten stiegen bei uns immer mehr Messerfirmen auf den balligen Schliff und vom Preisdruck getrieben leider auch auf schlechteres Material um. Es gab Zeiten, da wurde kein einziges Messer in Deutschland mehr im Keilknieschliff aus hochwertigem Stahl produziert. Das war die Zeit, in der Romanowski die Szene betrat. All sein Wissen und seine ästhetischen Bedürfnisse mussten geteilt werden. So zog er los, dieses Wissen zu ver breiten. Um es vorweg zu nehmen: Bei den besten Köchen des Landes rannte er offene Türen ein und innerhalb weniger Jahre war Romanowski so etwas wie der Heilsbringer der Profiköche geworden.
Jahrelang hatten sie mit dem falschen Werkzeug gearbeitet und jetzt kam einer und brachte ihnen das richtige. Nicht nur das: Er erklärte auch, warum es so war, wie es war. Eine Welle der Erkenntnis durchflutete die Küchen des Landes.
In erster Konsequenz belieferte Romanowski die Köche und die Messershops mit den Messern, die er im Programm hatte. In zweiter Konsequenz kreierte er Messer, die noch besser und noch professioneller waren als die Urväter – zusammen mit den Spitzenköchen der Region, den besten Designern der Welt und den handwerklichen Messerschmieden Asiens. So vertreibt er heute Messer, die als das Maß aller Dinge gelten. Wie das Type 301 – Design by F.A. Porsche. Und auch das sagenhafte Damaszenermesser von Kasumi ist auf Initiative von Romanowski zu uns gekommen.
Diese bahnbrechenden Erfolge lassen den jugendlichen Fünfzigjährigen jedoch nicht ruhen: Japanische Kochmesser für den schmalen Geldbeutel von Auszubildenden, Kochmesser für Kinderhände, Gewürzschneider und Pfeffermühlen in Titanqualität, die nie mehr stumpf werden.
Zuletzt handgeschmiedete traditionelle Japanische Messer zu einem Preis von unter 200 Euro. Das alles waren Ideen, die von Romanowski erdacht und bereits umgesetzt wurden. Der Grad der Innovation ist dermaßen hoch, dass Mitbewerber, die natürlich auch irgendwas asiatisches und irgendwas handgeschliffenes liefern müssen, noch auf lange Dauer die Position des halbherzigen Kopisten einnehmen werden.
Der berufliche Erfolg ist die eine Seite der Persön lichkeit des Christian Romanowski. Sein soziales Engagement die andere. Mit einem langjährigen Kraftaufwand hat er es geschafft, einen Kreis von Gleichgesinnten um sich zu scharen, der es heimatlosen Jugendlichen aus Brasilien ermöglicht, eine Ausbildung zum Koch in ihrem Heimatland zu ergreifen. Dieses Engagement, völlig abseits des Mainstreams der Gemeinnützigkeit, diskret und ohne marktschreierische Effekte, schenkte Legionen von zum Scheitern verurteilten eine Zukunft und einen Beruf in Würde. Diese Tatsache unterstreicht den unumstößlichen Sachverhalt, der einem erst offenbar wird, wenn man die Möglichkeit hatte, Christian Romanowski persönlich kennen zu lernen. Er ist einfach ein prima Kerl.
www.kochmesser.de
2010
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